VLamax erklärt
Die unterschätzte Kennzahl für Ausdauerathleten
Wenn im Radsport von Leistungsdiagnostik die Rede ist, stehen meist VO2max und FTP im Mittelpunkt. Doch in den letzten Jahren hat sich eine weitere Kennzahl als entscheidender Performance-Faktor etabliert: VLamax – die maximale Laktatbildungsrate.
Was ist VLamax?
VLamax beschreibt, wie schnell dein Körper – genauer gesagt deine Muskulatur – in der Lage ist, Laktat zu produzieren. Sie ist ein Maß für die maximale Leistung des anaeroben Stoffwechsels (anaerobe Glykolyse). Während VO2max die aerobe Leistungsfähigkeit misst, steht VLamax für die anaerobe Power.
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Hohe VLamax-Werte bedeuten: viel Explosivität, hohe Leistungsspitzen, aber auch schnellerer Laktataufbau.
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Niedrige VLamax-Werte bedeuten: weniger Spitzenleistung, dafrüber lange Zeit hohe Leistungen an der Schwelle und besserer Fettstoffwechsel
Warum ist VLamax so wichtig?
Laut Sebastian Weber von INSCYD erklärt VLamax bis zu 75 % der Leistungsunterschiede zwischen Amateuren und Profis – deutlich mehr als VO2max allein. Der Grund: VLamax beeinflusst direkt die anaerobe Schwelle (FTP) und den Fett- bzw. Kohlenhydratverbrauch.
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Hohe VLamax: mehr Kohlenhydratverbrennung, geringerer Fettstoffwechsel, niedrigere Schwelle.
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Niedrige VLamax: bessere Ausdauerleistung, weniger Kohlenhydratverbrauch, höhere Schwelle.
VLamax im Athletenprofil
Typische Bereiche (mmol/l/s) – Werte aus INSCYD-Tests und Praxiserfahrung:
Athletentyp | VLamax |
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Ironman-Profi | 0,2 – 0,4 |
Zeitfahrer / GC | 0,3 – 0,5 |
Allrounder | 0,4 – 0,6 |
Klassikerfahrer | 0,5 – 0,7 |
Sprinter | 0,7+ |
Wie wird VLamax gemessen?
Früher nur mit aufwändigen Laktattests oder Muskelbiopsien möglich, lässt sich VLamax heute mit praxistauglichen Methoden wie den INSCYD-Tests ermitteln. Dabei wird aus definierten Belastungsprotokollen mit den Leistungsdaten die maximale Laktatbildungsrate berechnet.
VLamax gezielt trainieren
Das Besondere: VLamax ist trainierbar – in beide Richtungen. Je nach Ziel und Disziplin kann es sinnvoll sein, den Wert zu senken oder zu steigern.
VLamax senken (z. B. für Zeitfahren, Ironman)
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Regelmäßiges, „mittleres“ Training (zwischen Grundlage und Schwelle)
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Hohe Tritteffizienz, gerne mit niedriger Kadenz (hohes Drehmoment)
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Lange Intervalle knapp unter der Schwelle
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Training mit reduziertem Kohlenhydratverfügbarkeit (Low Glycogen)
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Vermeiden von vielen Sprints und anaeroben Spitzen
VLamax steigern (z. B. für Sprint, Cross, Zwift-Rennen)
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Kurze, maximale Sprints (10–30 Sekunden)
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Anaerobe Intervalle (z. B. 30/30s)
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Krafttraining mit 12–30s Belastung pro Satz
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Hohe Intensität, volle Kohlenhydratspeicher
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Vermeiden von langem Training im mittleren Intensitätsbereich
Fazit
VLamax ist mehr als eine Zahl – sie ist der Schlüssel zur individuellen Trainingssteuerung. Wer seine VLamax kennt und gezielt anpasst, kann die Leistungsfähigkeit auf ein neues Level bringen. Der Leistungsteest mit INSCYD liefert dafür die passenden und Analysewerkzeuge.
Gerade in Kombination mit VO2max ergibt sich ein vollständiges Bild des Athletenprofils: aerobe Kapazität + anaerobe Power = maximale Performance.